Unter Kollegen kommt schon öfter mal die Frage auf, woher beziehst du deine Tracks und vor allem wie verwaltest du die? Dabei kommt meist heraus, das jeder so sein eigenes System hat, ich möchte mal meins vorstellen, wobei das natürlich keinen Anspruch auf Allgemeingültigkeit erhebt.
Vorweg: ich war seit 2007 in keinem Plattenladen mehr, da ich komplett auf Digital umgestellt habe, für Vinylisten wird das hier also eher keine neuen Erkenntnisse generieren.
Kommen wir erstmal zum diggen, falls man nur in Techno unterwegs sein sollte ist Beatport eigentlich ausreichend, 95% der Releases landen dort. Will man aber auch die Nischen und Ecken, oder Randgebiete zu anderen Genres erkunden, komm man nicht umhin auch bei Juno Download und Bandcamp zu suchen. Ein funktionierendes System, wie man da punktgenau das findet was man braucht, habe ich auch nicht. Mein System besteht aus abonnieren, ständig anpassen und durchhören, dazu verwende ich pro Tag ca. 1-2 Stunden. Dazu kommen noch 3-4 Promolisten von denen ich mindestens einmal pro Woche beliefert werde, der Ausschuss ist dort mindestens so groß, wie bei meinem sonstigen Gedigge. Ich nutze, im Gegensatz zu vielen Kollegen, kein Streaming um neue Tracks zu entdecken.
Ich hab’s paarmal versucht, aber die Algorithmen taugen für meine Recherche nicht, wenn ich mich z.B. erst durch zig Vocal D&B Tracks durchwühlen muss, bevor da mal irgendwas kommt was mir taugt, ist der Spaß daran auch schon wieder vorbei. Was ich dieses Jahr aber bestimmt mal versuchen werde ist, einen KI Agenten zu bauen und tindermäßig zu trainieren um relevante Releases aus den Neuerscheinungen zu selektieren, ob das klappt steht auf einem anderen Blatt.
Kommen wir mal zur Verwaltung. Ein wichtiger Punkt für mich auf Digital umzusteigen war, bei über 20.000 Platten, die ich mal hatte, die eine zu finden die man gerade suchte, besonders wenn sie einem nach Jahren wieder einfällt, kann sehr aufwändig werden, egal welches System man sich für sein Plattenregal ausgedacht hat und erst recht wenn dieses System sich in der Hektik des Alltags zur Hälfte auf dem Boden in Stapeln und Kisten selber zerlegt. Seit meinem Umstieg verwalte ich alles in der Apple Musik App, was früher mal iTunes war und das hat mehrere praktische Gründe. zum einen arbeite ich mit diversen Systemen, von Pioneer über Denon, bis zu Traktor und Algoriddim DJ Pro, letzteres auf all meinen Geräten von iPhone über iPads bis Macbook. Jedes dieser Systeme kann iTunes Playlisten importieren, so das ich auf Konvertierungstools weitgehend verzichten kann.
Wichtig ist dafür, das man sich ein Taggingsystem überlegt, das auch über längere Zeit Bestand hat, also neben so grundsätzlichem wie Artist, Trackname, Jahr und Genre, auch für einen selbst relevante Metadaten einzupflegen. Bei mir wäre das z.B. die Bewertung mit Herz für Tracks die schonmal in einer meiner Playlists zum Auflegen waren und die Bewertung mit Sternen um z.B. mit 5 Sternen beim durchhören Tracks zu markieren, die unbedingt in die nächste Playlist müssen und ein Stern für kann wieder weg. Warum das wichtig ist erschließt sich spätestens beim erstellen von intelligenten Playlisten. Ich nutze intelligente Playlisten für alles, Tekknozid will nur Tracks von 88-92? Dafür gibt es eine intelligente Playlist lediglich mit Tracks aus dieser Zeit, aus der ich dann eine normale generiere, mit den Tracks, die ich für den Abend brauche. Ich will unterwegs die Neukäufe der letzten 3 Monate zum Bewerten hören? Dazu baue ich mir eine intelligente Playlist und lade die auf’s iPhone und wenn wir schon dabei sind bauen wir gleich noch welche nach Genre. BTW: mit den Genres gehe ich recht großzügig um, finde ich ein Track passt sowohl zu Techno, als auch z.B. zum Übergang zu D&B, dann kommen da halt beide Genres rein, tauchen in beiden intelligenten Playlisten auf, so das ich mich nicht immer daran erinnern muß, welche Tracks in dieser Grauzone existieren.
Zur Verwaltung gehört auch Sicherung, meine Library mit allen Tracks befindet sich auf 3 Festplatten und auch die iTunes Library wird einmal pro Woche auf das zweite Macbook gesichert, so das ich auch, dank externer Festplatte, sofort auf dieses umswitchen könnte.
Sidenote: Zum Durchhören unterwegs nutze ich nicht die Apple Musik App auf dem iPhone, sondern [CS Musik Player], da Apple die Bewertung nach Sternen in der mobile App abgeschafft hat, die für mich aber essentiell ist. CS Music Player greift dabei lediglich auf die übertragene Music App Library zu und beim Synchronisieren werden die Sterne in die Desktop App übertragen und ist auch sonst besser gestaltet.
Vielleicht hilft der ein oder andere Aspekt ja den eigenen Workflow zu verbessern oder zu inspirieren.

Danke für den Beitrag. Sehr interessant. Wieviele Tracks hast du?