Ich habe mir die Tage mal ein paar Gedanken um die Zukunft des Djing gemacht und, soviel sei gespoilert, ich denke das wird vielen nicht gefgallen, aber sei’s drum. Es muss ja auch nicht so kommen, aber ich schmeisse das mal in die Runde, vielleicht kommt’s ja auch ganz anders, nur für mich sieht der Weg dahin gerade so aus.
Am Anfang von Techno legte ich mal im Tresor auf und ein Freund aus der alten Heimat war zu Besuch und kam mit. Der kannte mich noch aus den Zeiten, als ich im Dschungel in Wiesbaden (Heute Basement) auf 2 riemenangetriebenen Plattenspielern Platten aneinander hängte, entweder mittels Intro und Outro überblendend oder mit schnellem Cut von einem Track zum anderen wechselnd. Zu der Zeit war der Wiedererkennungswert noch wichtig und als er da nun im Tresor stand war sein erstes Erstaunen, das er nicht einen Track kannte und auch über Stunden kein Gesang zur Orientierung da war, geschweige denn das er wusste wo ein Track aufhörte und der nächste anfing und die tanzende Meute wollte das auch noch so, darüber war er offensichtlich schwer irritiert.
Read more „500 Words 12: The Future Of DJing“
Tanith Tape Archiv 13: DJ TANITH Kiss 99 – 29.03.1995 Teil1&2
Nach 2 Wochen Urlaub geht’s endlich mal weiter, dafür auch gleich fast 2 Stunden: Ein weiteres Tape von Kiss FM aus 95, ich glaube interviewed von DJ Disko und Musik wie sie halt 1995 bei mir lief
T35: Mein Closing Set zum 35 Jahre Tresor Weekender
35 Jahre schon, puh! und ich erinnere mich noch gut an die Anfangstage. Hier ein Exzerpt aus dem damaligen Thema der Woche im hiesigen Blog dazu:
Anfang 1991 befanden wir uns in Berlin in einer schwierigen Situation, 1988 hatten wir das UFO in der Köpenicker Straße, 89-90 gab es das zweite UFO am Kleistpark in Schöneberg, das aber von Anfang an Probleme bereitete, was bei einem ehemaligen Pennymarkt in einem Hochaus nicht weiter verwundern sollte . Richtig laut und bassig durfte es dort nie werden, das gab sofort Beschwerden von den Bewohnern, denen das Geboller durch die Lüftungsrohre direkt in die Wohnung geliefert wurde. Zudem hatte sich der anfängliche Charm der Location ziemlich schnell verflüchtigt und die neue Situation nach dem Mauerfall tat ihr übriges um den Laden zunehmend unpassend zu empfinden. Die Maueröffnung hatte alles verändert und schon bald gab es die ersten illegalen Parties im Osten. 1990 war das Jahr in dem man sich im Osten umschaute und 1991 explodierte dann alles, der Tresor war praktisch zwangsläufig, nur wußte eben noch keiner das er passieren würde. Möglich wurde das durch Johnny, der ursprünglich mit Wolle Tekknozid veranstaltete, sich aber bald mit Achim und Dimitri vom Fischlabor befreundete. Zu der Zeit war es für Westler nicht so ohne weiteres möglich an Immobilien, auch mietweise, im Osten ranzukommen, man brauchte quasi einen Strohmann: here comes Johnny! Von der Locationsuche hatte ich nicht viel mitbekommen, irgendwann hieß es einfach”komm mal mit, wir müssen dir was zeigen”.
Mein erster Eindruck war nicht spektakulär, eine geschlossene Fensterfront eines ehemaligen Ladens in einem Gebäude, das seinem Provisorium nach typisch Osten aussah, aber was dann folgen sollte ließ die Vorfreude schon bald hochköcheln. Zuerst zeigten mir Dimitri und Johnny den ehemaligen Laden, das sollte in der Tradition des Fischlabors ein Cafe werden. Aha dachte ich mir, während ich die dort rumliegenden Reiseposter mit kyrillischer Schrift inspizierte, dann ging es weiter in das, was später der Globus wurde, das sah schon eher nach Technoladen aus. Dann führten die beiden mich über abenteuerliche Treppen und Leitern auf’s Dach und allein die Möglichkeiten die sich bis dahin aufgetan hatten, liessen das UFO wie ein Überbleibsel aus grauer, langweiliger Vorzeit erscheinen, das hier war ein Abenteuerspielplatz bester Güte und vom Dach sah man auch noch auf den verwilderten Garten. Erst dann bekam ich in einer Manier, die Steve Jobs mit “oh, just one more thing” erst Jahre später kultivieren sollte, den eigentlichen, damals noch namenlosen, Tresor zu sehen. Obwohl, sehen ist eigentlich zuviel gesagt, bestückt mit einer Funzel ging es hinab in den Keller und was sich auftat war ein Raum im Raum mit abenteuerlichem Rundumgang, man mußte mir erstmal zeigen, was der eigentliche Raum war, ich ertastete und erahnte nur was da für ein Schatz verborgen lag und ab da war’s eigentlich nur noch ein Warten, das der Laden endlich aufmachen würde, was allerdings noch ein Weilchen dauerte. Ich riss weiter wöchentlich mittwochs meinen Cyberspace im UFO ab, dann gab es eine kurze Pause als das UFO schloss, aber der Tresor noch nicht fertig war und endlich im März 1991 war es dann soweit und der Tresor öffnete seine Pforten. Natürlich durfte das nicht offensiv beworben werden, das Ding war ja illegal, trotzdem strömten die Massen schon bald nach Beginn, einfach durch Mundpropaganda, wie es seit dem ersten UFO eigentlich Brauch war. Von Woche zu Woche sprach es sich mehr rum und alsbald hatte man eine lustige Mischung von Völkchen beisammen. Neben der Ursuppe von Berlin Techno traf man hier auf Raver aus Ost und West, zunehmend auch englische Soldaten, die heilfroh waren auf ihr Raven aus England hier nicht verzichten zu müssen und bald mußte jeder mit Rang und Namen aus Berlin, der was auf sich hielt, mal im Tresor gewesen sein, zumindest um ihn mal gesehen zu haben, denn alles und jeder sprach ja darüber. Immer wieder kam es zu amüsanten Szenen, wenn Leute meinten den tollen Tresor entdeckt zu haben und man sie dann erstmal durch die Stahltür in den Keller leitete, damit sie das eigentliche Prachtstück sahen und erfahren konnten. Was da unten im Keller abging war natürlich nochmal zwei Schippen doller als das doch eher zahme und normale Gewese im Globus. Ich glaube es gibt kaum jemanden, der aus dem Keller nicht irgendwie verändert rauskam. Und ich kenne Leute, die erst nach Wochen entdeckt hatten was ihnen zuvor entgangen war.
Das ist jetzt also schon 35 Jahre her und ich hätte nie gedacht, das nach der Schliessung ein weiterer Tresor existieren würde, allein die Einzigartigkeit der Räumlichkeit ließ das für mich unmöglich erscheinen, but here we are, es sollte anders kommen und ich bin heilfroh darüber! Nirgendwo anders kann ich so frei im Set sein wie da, siehe auch dieses Set, das mit 170 BpM startet und nach fast 5 Stunden bei 135 Bpm endet, mit immer mal wieder eingesprenkelten Tresorklassikern darin. Es war das Abschlußset der 35 Jahre Festivitäten und ich bedanke mich, als letzter verbliebener DJ aus der ersten Riege, das mir diese Ehre zuteil und das Vertrauen in all den Jahren entgegengebracht wurde.
Auf die nächsten 35 Jahre Tresor!
Tanith Tape Archiv 12: Radiosendung Kiss99 mit Ellen Allien und DJ Tanith 9.11.1995
Es gibt nicht nur Mixe in meinem Tapearchiv, sondern auch mitgeschnittene Radiosendungen, so wie diese hier. Mit Ellen machte ich zu der Zeit den sonntäglichen „Club The Rest“ im Tresor, bzw. Globus und so lud sie mich auch mal zu ihrer Radiosendung auf Kiss99 ein. Neben Musik die ich sonst eher nicht im Club spielte gibt’s auch ein Interview mit mir, wo ich z.B. erkläre, warum ich mit der Mayday in diesem Jahr gebrochen hatte. Auch für mich ganz amüsant das nach all den Jahren wiederzuhören.
Tanith Tape Archiv 11: DJ TANITH MIX XXXIII (1989/1990)
Diesmal so gut wie ungemixt, es handelt sich dabei um ein Tape wie ich sie fast wöchentlich machte um Tracks auf dem Walkman zu hören. Soll aber in diesem Fall nicht hinten runterfallen, weil voll mit Klassikern!
Beide Seiten tragen unterschiedliche Erstellungsdaten, Seite A ist am 29.12.1989 passiert, Seite B am 18.01.1990 und sind auch stilistisch völlig unterschiedlich
Playlist:
Side A:
Funtopia – Beautiful People
Armando – World Unknown
Armando – 151
Smokin Gang – Latin House
Armando – 100% Dissin You
Nexus 1 – Yo Body
Tyree – I Am
M.D.3 – Personal Problems
M.D.3 – Face The Nation
Steve Poindexter Born To Freak
Side B:
Silver Bullet – 20 Seconds To Comply
Twin Hype – For Those Who Like To Groove
Zaza Laboum – Tu Veux Ou Tu Veux Pas
Edwards & Armani – Acid Drill
Lil Louis – Blackout
Static – Enter (Deep Shock)
Static – Iron Orbit
Fingers Inc – Distant Planet
Housebusters – Planet Rock 90
Housesyndicate – 10:40
Steve Poindexter: Computermadness
Tanith Tape Archiv 10: DJ TANITH MIX Vol.III#5 Synthetic Dreams Mix (17.02.1992)
Nachderm es letzte Woche 1992 gegabbert hat, hier mal ein schönes Beispiel wie breit gefächert und unausformuliert Techno damals noch war. Techno war noch nicht wirklich ein geschlossenes 4 to the Floor Feld, sondern hatte durchaus Breakbeat Einflüsse aus UK, Trance kündigte sich schon an und so wie auf diesem Tape hätte es auch durchaus auch im Walfisch laufen können.
Playlist:
Side A
Exposure – Peak Experience
Rhythmatic – Make Some Noise
LFO – Syndrome
Tribal Ghost – Malaria
LFO – What Is House
Autonation – Cyborg Society
Ubik – Ram Raid
Orbital – Speed Freak
Shut Up And Dance – Green Man
Automation – Feathers
Astrospyder – Synthetic Happy
Altern 8 – Re-Indulge
Side B
A-Dam – Tribal Warfare
Outlander – Discotech (Radikal Mix)
E-Type – M25
Hackney Hardcore – Dangerous
Bass Construction – Make Me Feel
Candese – Took My Love
Major Malfunction – Magnetism
Major Malfunction – Mushroom Man
Moby – Mobility (Aqua)
Fortune & Fame – From Within
Orbital – Belfast
Tanith Tape Archiv 09: DJ TANITH MIX Vol. III#16 Gabber Mix (12.08.1992)
1992 war auch das Jahr in dem Gabber massiv sein Haupt erhob. Dabei war das anfangs noch gar nicht so standardisiert, wie man hören kann und heute fast harmlos klingt. In Folge wurde es dann natürlich schneller und härter, aber da war ich dann auch schon wieder raus.
Playlist:
SIDE A
80 Aum – Stronger Than Sterl
Quartex – Mental Hangover
Overmind – Everybody Let‘s Fuck
Turbulence – Whurlwind
Rotterdam Termination Source – Poing
Rotterdam Termination Source – Poing Remix
Boing – Boing
Sperminator – Uptempo
Pelgrim – Amen
Sperminator– No Women Allowed
Pelgrim – Get Bouncy
Rotterdam Termination Source – Freyenord
SIDE B
Tellurian – Navigator RMX
Lory D– Coldbringer
Cyborg – Ferry
Sector Nord – Techsociety
Maximum Peak – Slammin
Tomdroid – Adrenalin Chords
Deutschlands härteste Oma – Deutschlands härteste Oma
Fred – B2
Mutant Nation – Aural Sequence
Private Production – Looped
Ace The Space– 9 Is A Classic
Moka – Poison Blood
I.S.Q. – Trash Metal Puke
500 Words 11: Technorant
Auf die Gefahr hin mich hier ein wenig zu wiederholen, weil einige Punkte in vorigen Postings schonmal angeschnitten wurden, aber was ich mir schon lange mal von der Seele schreiben wollte: Techno was ist los mit dir? Ich weiß ja nun nicht, ob ich alleine damit stehe oder ob meine Digging Qualitäten nachgelassen haben, aber bei meinen täglichen Streifzügen durch den Neuheitendschungel macht sich seit geraumer Zeit eine gewisse Langeweile breit, die ich nicht zum ersten Mal erlebe. Ein Trend momentan scheint ja zu sein sich 10 Jahre zurück zu erinnern, an das Jahr 2016, ich würde nochmal 20 Jahre weiter zurückgehen und zwar ins Jahr 1996, da hatte ich bei Techno eine ähnliche Müdigkeit festgestellt, indem ich ihn mit dem verglich was nebenan auf dem Drum Bass Acker so passierte. Nun verhält es sich zwar ähnlich aber nicht gleich, während damals Techno dogmatisch an der heiligen Roland Analogdreifaltigkeit festhielt und Samples böse waren, machte man nebenan mit Samples und zerhackten Breakbeats ganz neue, vorher ungehörte Räume auf. Wenn ich mich heute durch die Neuheiten durchhangele bleiben die Überraschungen auf ähnliche Weise aus und gewowed will man ja schon werden, das macht die Sache ja schließlich auch aus. Stattdessen kommt aber erstmal streberhafte Formaterfüllung auf allen Gebieten, sei es das einer mit seinem musikalischen Erguss offenbar lediglich zeigen will das er ein Modularsystem sein Eigen nennt, denn außer dem sehr ernsthaften Gefiepe und Klingeling passiert da sonst recht wenig was einen Release rechtfertigen würde oder sei es die ewig gleichen Splice Samples, die schon vor Jahren im Original von einem T78 oder ASYS zu Tode geritten wurden, ordentlich arrangiert zu einem vermeindlichen Ravesmasher zusammen zu rühren. Und anscheinend ist das auch so gewollt, wenn ich mir den Wust an täglich gleichem so durchhöre und deren Followerzahlen mit denen vergleiche die wirklich versuchen den Spirit hochzuhalten und innovativ zu sein. Von den ganzen HardTechno oder Melodic Techno Epigonen fang ich erst gar nicht an, da braucht man gar nicht erst reinzuhören, jedesmal eine eklige Enttäuschung die einen schaudern lässt.
Ist ja nicht so, das nun alles Schrott wäre, erfreuliche Ausnahmen dieses Jahr bislang z.B. das Rebelskin Label oder gerade erst die die neue EP von Specific Objects, um nur mal zwei Beispiele zu nennen die mir auf Anhieb einfallen, aber kann sich der Rest mal bitte mehr Mühe geben? Ist mir sowieso unverständlich warum man heute, bei diesen Verkaufzahlen versucht auch noch MeToo Produkte an den Mann/Frau zu bringen, anstatt seine eigene Individualität auszuformen. Techno’s Untertitel hieß ja mal „Forcing The Future“ und nicht „Pleasing The Masses“ oder „Flood The Zone With Shit“.
Tanith Tape Archiv 08: DJ TANITH MIX XXX – All Techno Mix (05.12.1989)
Nochmal zurück ins Jahr 1989 und auch wenn der Mix „All Techno“ betitelt ist, merkt man wie wenig Techno damals noch ausdefiniert war, das geht über New Beat, EBM, Electro und Industrial plus diverse Zwischenstadien. Es war halt auch die Zeit, in der man noch im WOM oder anderen Plattenläden zwischen lauter Genres die paar Scheiben der Woche finden musste, die zur eigenen Vision passte, wo das mal hinführen soll, was man so für sich Techno nannte. Es gab beileibe nicht soviel Trackauswahl wie heute, geweige denn dezidierte Plattenläden dafür. Der Begriff war zwar da aber noch keineswegs ausgefüllt, in Frankfurt war das eher EBM, in Detroit noch eher vom Electro kommend und ich versuchte daraus halt so’ne Berliner Mischung zu machen, die in unser UFO passte und ein paar Wochen später ging das dann auch los im Cyberspace im UFO auf den Mittwoch.
Playlist (sehr incomplete):
I Said Bleep : Cycle 92
Technoid: Technoid
ZONEMIX I –
Noise Control: Operation S B II + I
Space Opera: Theme
Space Opera: Electro Wave
NITZER EBB : BACKLASH
B 20 : ACID TO BODY
B 20: BODY TO BODY
AMERICA
Clock DVA- Hacker Hacked
?
Clock DVA – Hacker
Tanith Tape Archiv 07: Tanithmix Vol.III #12 Headstrong Summer Breaks Mix (11.06.1992)
Vielleicht ist ja bei den aktuellen Wetterverhältnissen etwas sommerliches gefällig? Bei diesem Mix kann man jedenfalls schön nachvollziehen, wie Techno und Breaks ursprünglich gar nicht so weit auseinanderlagen, so Sachen wie Hedgehog Affair und Kev Bird & Wax Doctor bezeichnete man damals sogar als Jungle Techno. Aber auch Jungle war z.B. mit Urban Shakedown oder Sonz Of A Loof Da Loop Era schon geboren, während Hippy, Homeboy and a Funky Dread, als auch EON, ebenfalls oft in Technosets vorkamen und mir lag schon damals daran beides zu verbinden
Playlist:
Seite A
Project One – Roughneck
KevBird + Wax Doctor – Dark Matter
Lenny D & Housecrew We Are IE
KevBird + Wax Doctor – Airspace
Hedgehog Affaire – We Told You
Kev Bird + Wax Doctor – T.B.N.
Hedgehog Affair – Sec. Rush
Dragonfly – Right There
Genetic – I Can’t Live Without My Video
E-Type- Native N.Y.
Seite B:
HDX-201 – The Real Life
DRAGONFLY – Groovin
Urban Shakedown. – No Other
K.W.S.
Hippy, Homeboy And A Funky Dread. – Drop It
HDX-201 – A1
Vinyl Vandals – Headstrong
Smart Sytems – Space Virus
Hedgehog Affair – Sounds Of House
Sonz Of A Loof Da Loop Era – Let Your Mind Be Free
EON – Basket Case
