Jahresreview 2025

Da sitze ich also am ersten Tag des Jahres, nicht geböllert, nicht aufgelegt, das erste Mal seit Jahren an diesem Tag voll und ganz nur für die Familie da und es fühlt sich gut an. Stattdessen möchte ich hier im Zuge der Blogwiederbelebung die alte Tradition des Jahresreviews wiedereinführen. So without further ado steigen wir mal ein.
Auf der persönlichen Ebene kann ich nicht klagen, das Jahr war gut zu mir, die Kids wachsen und gedeihen, so das auch wieder etwas mehr für das Blog hier bleibt. Den Sommer über viel Zeit im Haus am See verbracht und die Work Life Balance wäre perfekt wenn man nicht fast täglich um 6:30 aufstehen müsste um die Bälger fertig zu machen.
Der Gigs waren genug, durchschnittlich einer alle 2 Wochen, waren aber auch paar Doppelgigs dabei, das ist so ziemlich genau das wo ich hinwollte. Ich bin ja durch meinen Zweitjob nicht mehr so darauf angewiesen jedes Booking mitzunehmen, das gefällt mir sehr gut so, nimmt den Stress etwas raus und jeder Gig wird dadurch etwas besonderer. Dazu zwei Features die ich auch hier geposted hatte und mal wieder ein Buch bei dem ich etwas helfen konnte und auch drin vorkomme. Und natürlich den Blog hier wiederbelebt, in erster Linie natürlich weil mir das Medium nach wie vor Spaß macht und in zweiter Linie weil mich Social Media zunehmend anödet, wer will schon erst durch 10 Werbeanzeigen von Fakeshops scrollen, bevor man etwas sieht, was man abonniert hat? Desweiteren denke ich mir, das jeder Künstler/Artist in diesen Zeiten eine eigene Domain pflegen sollte, weil Social Media, zumal jene aus Amerika, keinen sicheren Platz für den eigenen Content mehr darstellen könnten.

Techno hat mich dieses Jahr etwas gelangweilt, was nicht heißen muss, das die Produktionen schlecht wären, sie passen oft lediglich nicht zum Vibe meiner Sets, das ist ein Unterschied der viel Streit vermeiden kann! Vieles klingt mir zu unfertig, vorhersehbare Metoo Produkte, zugegebenermaßen vieles auch sicherlich, oder besser: hoffentlich nicht für die Tanzfläche gedacht, oder auch einfach zu sehr ermüdende Formaterfüllung in allen Bereichen. Ich glaube man braucht da auch gar nicht auf die einzelnen Stile eingehen, bei dem was ich so verfolge, ist das mehr oder weniger durch die Bank so. 2025 war Techno auch etwas ratlos, wo es jetzt von hieraus hingehen soll und war daher mehr so ein Weiterso Jahr.
Ich will jetzt auch gar nicht klagen und finde beileibe nicht, das alles Neue dem Alten nicht stand hält, zumal mich diverse neuere DJs dieses Jahr schon begeistert haben und von daher Mut machen, das es auch außerhalb der Hypes noch Leute es schaffen, gesehen und gehört zu werden. Aber in Sachen Produktionen fand ich’s nunmal etwas enttäuschend.

Was ich dieses Jahr auch irritierend fand war, wie offensichtlich überall Geld fehlt und die Gier dann Purzelbäume schlägt. Januar hatte ich plötzlich eine Urheberrechtsklage wegen 3 Bildern auf Facebook am Hals (die ich Dank ChatGPT ca. halbieren konnte😁). Im Sommer versucht mir Eurolotto telefonisch zu verklickern das mein Testabo jetzt abläuft und ich zukünftig für 2 Jahre monatlich ein Los hätte, natürlich bezahlt. Ich habe noch nie Lotto gespielt, noch irgendein Testabo abgeschlossen.
Der Gasableser versemmelt den durchgegebenen Zählerstand, Gas Provider schätzt und zwar auf das zehnfache des Vorjahreswerts.
Dann kommt noch die Hausverwaltung um die Ecke und will innerhalb von 2 Wochen eine Mieterhöung von über 30% durchdrücken und beruft sich dabei auf eine mehr als shady Sonderregel.
Man merkt schon es wird allgemein ungemütlicher und wenn man die Neujahrsanspache von Merz angehört hat, weiß man auch, besser wird’s mit dem Sauertopf aus dem Sauerland erstmal nicht. Außer „Haltet durch, ihr müsst alle mehr arbeiten, obwohl immer weniger Arbeit da ist“ war da nicht so viel und wie immer vermisst man irgendetwas positives oder sowas wie eine Vision, wohin es gehen soll, stattdessen Verwaltung eines auf diese Weise sinkenden Status Quo. Meines Erachtens nach verschläft die Politik gerade den Wandel in der Arbeitswelt durch KI so, wie sie seit über 20 Jahren davor kuscht, das Rentenproblem anzugehen und mir deucht das hat eine gewisse Methode. War Anfang des Jahres noch die Rede davon, das aufgrund der vielen Boomer, die jetzt in Rente gehen, die Aussichten für zukünftige Arbeitnehmer, mehr Rechte und Annehmlichkeiten einzufordern, außerordentlich günstig seien, da man sich um diese „Human Ressources“ reißen wird, verklangen diese im Laufe der Zeit um dem „Wir müssen alle mehr und länger arbeiten um unseren Wohlstand zu halten“, wobei meine schlechten Ohren aus diesem Wir immer ein Ihr machen. So erklärt sich für mich auch dieses Buhei um’s Bürgergeld, das anfangs 30 Milliarden einsparen sollte, dann 8, dann 3 und nun ein paar Millionen, die von der Verwaltung aufgefressen werden, aber immerhin hat man es mit „Grundsicherung ist sozialer Luxus“wieder geschafft, die Angst vor dem Absturz dorthin hochzuhalten, auf das der Lohnsklave pariert. Ähnlich misanthropisch konservativ visionslos bis zukunftsabgewandt und arrogant sich auf alten Errungenschaften ausruhend, bis der Rest der Welt einen überholt hat verhält sich das hierzulande ja in vielen Bereichen:
Tempolimit schadet der Autoindustrie.
Radinfrastruktur finanziert sich nicht.
Das Deutschlandticket trägt sich nicht.
Zurück zum Atom, egal wie teuer.
Wärmepumpen rechnen sich nicht.
Umweltschutz ist teuer.
Klimaschutz ist ein Standortnachteil.
Und was ist eigentlich aus dem Klimageld geworden, das man als Ausgleich zu steigenden CO2 Abgaben versprochen hatte? Kurz vor Ampelende hatte man nun endlich die Technik soweit, das jedem Bürger Einzelbeträge überwiesen werden könnten, aber es kam wie man es von Anfang an vermuten konnte, es wird leider leider nicht kommen, wer hätte das gedacht? Dabei war es ursprünglich die andere Seite der Medaillie, um die Akzeptanz zu dieser Steuer zu erhöhen und das Konzept auch bestechend fair: Wer weniger CO2 verbraucht hat mehr davon, wer mehr verbraucht weniger. Stattdessen findet nun, wie immer, eine Verteilung von unten nach oben statt, indem daraus z.B. Wärmepumpensubventionierung bezahlt wird, die sich eh nur jene leisten können, die a. nicht zur Miete wohnen und b. vermutlich die Subvention weniger benötigen als die unteren Schichten, die somit mal wieder gar nichts von der Verteilung erhalten. Dabei geht die Einkommensschere hierzulande immer weiter auf und man befindet sich dabei auf den letzten Plätzen in der EU. Dabei ist die Bevölkerung mit 70% mehrheitlich für eine Reichensteuer wie z.B. die Wiedereinführung einer Vermögenssteuer, ebenso für ein Tempolimit, aber seltsamerweise ist da die Mehrheitsmeinung irgendwie völlig irrelevant.
Es wundert mich daher nicht das die Politikverdrossenheit zunimmt, zumal nach dem Coup, das 2 Tage nach der Wahl plötzlich alles was die Grünen mit Sondervermögen anstatt schwarzer Null vorgeschlagen hatten und von der CDU als „Amateurwirtschaft am Kaffeetisch im Unterhemd ausgedacht“ verdammte, plötzlich als ureigenste CDU Ideen und „Geht ja gar nicht anders“ ausgegeben wurden, ohne dabei mit der Wimper zu zucken oder gar rot zu werden. Nicht genug das man sich dabei als Beobachter intellektuell verarscht vorkommt, es dürfte auch einiges an eigenen Wählern gekostet haben, so wird man die AFD jedenfalls nicht los.
Apropos AFD, ich wundere mich ja immer wieder amüsiert, wie viele derer Wähler sich schlauer wähnen, weil sie „Alternative Medien“ wie Tichy, Reitschuster, NIUS und wie sie alle heißen studieren und am Ende mit einer Bildzeitungsmeinung wieder rauskommen, das hätte man auch einfacher haben können.
Ich will jetzt auch nicht zu politisch werden, deshalb lasse ich mal das internationale weitgehend aus, nur so viel, ich denke es könnte in der neuen Konstellation, China, Russland, USA sehr ungemütlich für Europa werden, wenn man es nicht als Chance begreift als letztes halbwegs freies Refugium zwischen diesen autoritären Blöcken zu existieren und dieses zu verteidigen, auch für jene, die aus diesen autoriträren Systemen zu uns abwandern wollen und somit deren Braindrain Europa zugute kommen könnte.
Zur Verteidigung haben wir ja nun hier zunächst die freiwillige Wehrpflicht wieder eingeführt und ich glaube ich bin nicht zu prophetisch, wenn ich denke das sich das ähnlich verhalten wird wie mit dem Klimageld, man führt es als Lightversion ein um den Protest klein zu halten und am Ende doch wieder die dicke Packung zu kriegen. Ich fand die Antwort der Gen Z darauf sehr passend, das man besser mit ihr darüber spräche als über sie. Aber dann gäbe es vermutlich so unangenehme Fragestellungen wie, wieso sollte man sich für das Land einsetzen, das dafür sorgt das man mit 20 noch bei den Eltern wohnen muss, weil freie Wohnungen nicht existent und unerschwinglich sind, das Bildungsgelder streicht, einen spätestens seit Corona im Stich gelassen hat, mit seiner Politik z.B. in Sachen Klima und Rente dafür sorgt das die Zukunftsversprechen vergangener Generationen nicht mehr gelten und das als drittgrösste Volkswirtschaft auf dem Planeten. Wie soll man sich da dem Eindruck erwehren, das immer nur Politik für die Alten gemacht wird, weil die nunmal im Proporz für Wahlen entscheidender sind und die Jugend egal ist?
Dabei bin ich oft peinlich berührt davon, wie meine Generation, die Boomer, mittlerweile so arschig daher kommt wie unsere Elterngeneration, die wir mittels Punk und Techno abgeschüttelt hatten und nie so werden wollten wie die. Aber ne, die Jugend ist dumm, undankbar, respektlos, soll aber die eigene Rente bezahlen und das Land verteidigen. In den 90ern wollten wir noch das es allen gut geht, heute gilt das als linksgrün versifft. Die Zukunftsbegeisterung ist einer Zukunftsablehnung gewichen, wissenschaftlich begründete und nötige Transformation zu etwas besserem wird erstmal als Bedrohung angesehen.
Ich will das Ganze hier aber nicht so negativ ausklingen lassen, auch wenn ich da für das nun kommende Jahr nicht so viel Hoffnung habe, so möchte ich zumindest allen konservativen Kräften danken, mit denen man noch diskutieren kann, ohne das die Argumentationskette gleich in „Das ist gelogen, von wem werden die bezahlt?“ endet.
Ebenso ein Dank geht raus an meine Altraver Crew, die immer noch kräftig dabei ist wenn es was zu feiern gibt. Alle die mich gebucht haben oder buchen werden. Alle die meine Version von Techno teilen und dazu feiern. Allen mit denen ich auf den unterschiedlichsten Kanälen kommuniziere und so auch zu neuen Eindrücken und Einsichten komme, besonderer Dank dabei an meine Facebook Timeline, die in den meisten Fällen entgegen dem Trend durchaus zivilisiert daher kommt, wenn ich mir die Kommentarspalten bei anderen so anschaue und mache das deswegen zunehmend seltener.
Und natürlich meiner Familie, für die ich mich gerne zurücknehme und mit der das alles Sinn macht, love you!

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