Am Wochenende legte ich in Wandlitz auf, was mich nicht nur deshalb freute weil es quasi um die Ecke ist und ich ich meinem Zweitjob für die Region arbeite, sondern weil Techno in der sogenannten Provinz früher mal ganz normal war und jeder Move ihn dort auch wieder zu verorten meinen vollen Support hat. Über die Jahre hat sich Techno mehr und mehr zu einem rein urbanen Phänomen entwickelt, mit allen Begleiterscheinungen die nunmal dazu gehören, hohe Eintrittspreise, eine Battle um die Lineups, harte Tür mit langen Schlangen davor und eben Techno nicht mehr das Ding für alle, sondern nur für die, die es sich leisten können.
Nun gibt es in Wandlitz mit dem Tor 13 ein privat organisiertes Kulturzentrum und somit endlich auch Raum für die dort sträflich vernachlässigte Jugend, man könnte fast denken sie wäre ein Störfaktor in der Kommunalpolitik. Nun war es also mal an der Zeit dort eine Technoveranstaltung zu probieren und mir ging schon auf dem Weg dorthin das Herz auf, den Weg weisten die geparkten Autos am Straßenrand, wie in den 90ern! Drin eine bunte Mischung aus jung bis alt, von Freunden meines Neffen, bis zu gleichaltrigen Kollegen und alles mögliche dazwischen, auf den ersten Blick unterscheidete sich das Publikum kaum von dem, was man sonst auch in Berlin sieht. Die DJs keine großen Namen, aber in der Region bekannt, wußten den Laden zu füllen und zu rocken. Es muß eben nicht immer das High Class Lineup in den Städten sein und auch wenn ich immer wieder höre das viele so etwas supporten würden, sehe ich nur wenige bis gar keine Kollegen, die das dann auch tun. Es ist eben credibler Städte und Länder wie Trophäen auf Insta abzuhaken, als wirklich in der Region zu unterstützen, aber genau daran krankt eben auch die Clubkultur. Natürlich läuft das dort auch anders ab, Beginn war 21:00 und Ende gegen 4:00, man darf das Set nicht zu advanced gestalten, der Eintrittspreis wurde gewürfelt usw., aber in der Zeit konnte man viele glückliche Gesichter sehen, die da feiern konnten wo sie wohnen. Ich denke es ist genau das sich Dimitri Hegemann unter Happy Locals vorstellt um den Wegzug der Jugend aus Provinz zu mindern. Umso erstaunlicher das solche Locations immer wieder mit Behörden zu kämpfen haben.
Womit wir auch schon beim nächsten Gig wären, nämlich dem HDO In Brandenburg an der Havel, wo ich am Samstag war. Das ist natürlich eine alteingesessene Institution, in der ich schon diverse Male war, aber auch die hatte dieses Jahr Probleme, weil nun eine AFD im Stadtrat sitzt und die Finanzierung stoppen wollte – weil es angeblich zu links sei, was natürlich Quatsch ist, weil Vielfalt im Programm ja nun nicht mit links gleichzusetzen ist. Umso mehr hat es mich daher gefreut dabei zu sein!
Fazit: Supported eure lokale Szene und wenn da nichts ist, dann macht halt was, es lohnt sich! Ich hatte zwei wundervolle Nächte mit besten Kollegen in Orten wo man es nicht vermuten würde und anstatt dem routinierten Zynismus gab es Freude, Enthusiasmus und eine unbeschwerte Feierei ohne Gemecker über Kleinigkeiten.
📷 Christian Strehlow

Es ist seit einigen Jahren wirklich sehr still geworden in Brandenburg, wenn es um gepflegte Techno-Events geht, die nicht gerade an irgend einem brandenburger See stattfinden. Nicht nur die Zeiten haben sich geändert, auch die Menschen (verständlicher Weise), die „noch“ auf diese Events gehen. Es ist schwer geworden, Gäste länger als 3 Uhr morgens auf dem Floor zu halten. Job, Familie und sonstige Verpflichtungen prägen heute die Generation, die einst jedes Wochenende mit dem Auto von Parkplatz zu Parkplatz reisten. So langsam kommen aber die Kinder dieser Generation in ein Alter, in dem sie sich selbstständig ihren eigenen Interessen widmen können und man als wieder „freies“ Elternteil doch mal der ein oder anderen Party widnmen kann. Das lässt wieder etwas hoffen. Die urigen Partys werden aktuell vorwiegend privat organisiert, auch wenn es immer noch hochachtungsvoll zu betrachtende Unternehmungen gibt, die stetig versuchen die Flagge hochzuhalten, denen mein vollster Respekt gilt. Die „Höher, weiter, mehr Provit“-Veranstalter-Gang scheint sich an Brandenburg die Hörner abgestoßen zu haben – gut so! Damit ist der Weg wieder frei…
ja – auflegen in der provinz. von flensburg bis biberach, butzbach, wismar, ulm und zurueck… wobei ulm ja jetzt nicht wirklich provinz ist mehr. irgendwie gab es immer die lustigsten geschichten, wenn mensch die ochsentour irgendwo hin gefahren ist, wo mensch so uberhaupt nicht wusste, ob und was einen da ueberhaupt irgendetwas erwartet. wuerde ich tatsaechlich jeder zeit wieder machen und das jedem metropolenbooking vorziehen sogar.
Leider war in Brandenburg schon immer alles sehr kurzweilig.
Wir hatten damals 1993 in Zepernick im alten stillgelegten Kino sohne Orbit veranstaltungen was wie ein Berliner Club wirkte.
Schnell wurde es den Anwohnern zu bunt und die Behörden machten einen riegel vor.
Mit dem E werk in berlin fand ich dann einen Ersatz.
spannend. ich hab irgendwann anfang der 2000er mal in prenzlau gespielt in so’ner alten industriehalle. mainfloor war irgendwie so technozeug und auf unserem sehr sehr versteckten zweiten floor gab’s dann eher breakcore x darkjungle x hardcore… rauschzeit? gab’s da mal sowas? alte c+c hallen?
ja, im Umland von Berlin ist schwer, weil Berlin immer die größere Magnetwirkung hat