Am Freitag hatte ich mit meinen Freunden vom Hexenwerk Festival einen Gig im Hamburger Club 25, direkt auf der Reeperbahn. Da der Rest vornehmlich aus dem Harz anreiste, dachte ich es wäre eine gute Idee, die eine Woche zuvor wieder freigegebene Bahnstrecke Berlin-Hamburg zu testen, nachdem sie für Milliarden modernisiert wurde. Schon während der Woche kamen da aber zaghafte Zweifel auf, ob das tatsächlich so eine gute Idee wäre. In den Medien und aus dem Bekanntenkreis häuften sich Berichte, das da Verspätungen an der Tagesordnung wären und auch der Hinweis bereits auf dem Online Ticket „Rechnen Sie mit ca. 15 Minuten Verspätung“ sorgt nicht gerade für Entkräftigung dieser Zweifel. Aber ok, 15 Minuten, das ist man als Bahnfahrer ja durchaus gewohnt, man hat da schon Warteschwielen entwickelt, damit kommt man klar.
Meine Tochter hatte an diesem Tag Geburtstag, also nahm ich einen ICE um 20:00 und würde dann so gegen 22:00 in Hamburg sein, genug Zeit also um noch vor dem Gig bei einem Essen den ein oder anderen Plausch mit den Mitstreitern zu haben, es sollte natürlich anders kommen. Der Zug hatte eine Stunde Verspätung und das Gleis änderte sich währenddessen 3 mal, der letzte Wechsel knapp vor Abfahrt, woraufhin sich eine Menschenmenge schnellen Schrittes durch den Bahnhof malmte um den verdammten Zug noch zu erreichen. Während der Fahrt verloren wir nochmal Zeit, so das man gegen 23:45 im Hamburger Hauptbahnhof ankam, mein Gig sollte um 1:00 beginnen.

Der lief auch gut, auch wenn die tropische Hitze dafür sorgte, das wohl nicht so viele die Veranstaltung besuchten wie sonst üblich, verständlich, und es war auch sehr hot in der Bude. Mein Gig ging bis 3:00 und ich nahm den ersten Zug zurück nach Berlin, der um 4:59 abfahren sollte. Sollte! Ich ging fälschlich von der Vermutung aus, das neuer Tag, neues Glück, morgens die Verspätungen sich noch nicht so hochschaukeln, wie das über den Tag üblich ist, aber weit gefehlt!

Schon während der Fahrt zum Bahnhof wurde mir die erste Verspätung angezeigt, um 6:02 statt eben 4:59 und das ging fröhlich so weiter, die Zugbindung war bereits aufgehoben, also schaute ich in der App welche anderen ICEs ich stattdessen nehmen könnte, das ah aber alles nicht besser aus, Baum auf der Strecke hier, verspätetes Personal da, alles in allem nahm sich das alles nix. Mittlerweile war ich 24 Stunden wach und lief auf dem Bahnhof rum um nicht müde zu werden, jetzt kam noch Hunger dazu und ich hatte ja genug Zeit und suchte mir eine Stärkung bei den allmählich öffnenden Läden. Dabei lief ich zufällig an einer Anzeigentafel vorbei, auf der ein ICE über Berlin angezeigt wurde, der nicht in der App stand, 5:39 mit nur 5 Minuten Verspätung, es war gerade 5:39! Also Stärkung links liegen lassen, ab ans Gleis, rein in den Zug. Auch der hatte am Ende natürlich die obligatorischen 15 Minuten Verspätung, was aber nichts im Vergleich zu dem Zug ist, den ich ursprünglich gebucht hatte und den ich natürlich weiterhin in der App verfolgte, der verspätete sich nämlich immer weiter bis der rote Anzeiger am Ende bei 8:09 stand um dann endgültig mit den lapidaren Worten „Aufgrund von aktuellen Ereignissen ist die erbindung nicht mehr fahrbar, Bitte suchen Sie sich eine neue Verbindung für Ihre Reise“auszufallen. Was mögen davon die Reisenden aus Kopenhagen auf dem Weg nach Prag wohl davon gehalten haben?

Natürlich habe ich sofort die entsprechenden Entschädigungen in der Bahnapp beantragt, frage mich aber wie die Bahn jemals bessere Zahlen und Zeiten sehen will, wenn sie quasi bei jedem Ticket 20-50% zurückzahlen muss?
Nach 27 Stunden wach war ich dann endlich wieder zuhause, einerseits liebe ich ja solche Challenges bzw. bin froh das ich die noch bewältige, aber andererseits, muss nicht wirklich sein
Kategorie: Tourberichte
500 Words 8 – Happy Locals
Am Wochenende legte ich in Wandlitz auf, was mich nicht nur deshalb freute weil es quasi um die Ecke ist und ich ich meinem Zweitjob für die Region arbeite, sondern weil Techno in der sogenannten Provinz früher mal ganz normal war und jeder Move ihn dort auch wieder zu verorten meinen vollen Support hat. Über die Jahre hat sich Techno mehr und mehr zu einem rein urbanen Phänomen entwickelt, mit allen Begleiterscheinungen die nunmal dazu gehören, hohe Eintrittspreise, eine Battle um die Lineups, harte Tür mit langen Schlangen davor und eben Techno nicht mehr das Ding für alle, sondern nur für die, die es sich leisten können.
Nun gibt es in Wandlitz mit dem Tor 13 ein privat organisiertes Kulturzentrum und somit endlich auch Raum für die dort sträflich vernachlässigte Jugend, man könnte fast denken sie wäre ein Störfaktor in der Kommunalpolitik. Nun war es also mal an der Zeit dort eine Technoveranstaltung zu probieren und mir ging schon auf dem Weg dorthin das Herz auf, den Weg weisten die geparkten Autos am Straßenrand, wie in den 90ern! Drin eine bunte Mischung aus jung bis alt, von Freunden meines Neffen, bis zu gleichaltrigen Kollegen und alles mögliche dazwischen, auf den ersten Blick unterscheidete sich das Publikum kaum von dem, was man sonst auch in Berlin sieht. Die DJs keine großen Namen, aber in der Region bekannt, wußten den Laden zu füllen und zu rocken. Es muß eben nicht immer das High Class Lineup in den Städten sein und auch wenn ich immer wieder höre das viele so etwas supporten würden, sehe ich nur wenige bis gar keine Kollegen, die das dann auch tun. Es ist eben credibler Städte und Länder wie Trophäen auf Insta abzuhaken, als wirklich in der Region zu unterstützen, aber genau daran krankt eben auch die Clubkultur. Natürlich läuft das dort auch anders ab, Beginn war 21:00 und Ende gegen 4:00, man darf das Set nicht zu advanced gestalten, der Eintrittspreis wurde gewürfelt usw., aber in der Zeit konnte man viele glückliche Gesichter sehen, die da feiern konnten wo sie wohnen. Ich denke es ist genau das sich Dimitri Hegemann unter Happy Locals vorstellt um den Wegzug der Jugend aus Provinz zu mindern. Umso erstaunlicher das solche Locations immer wieder mit Behörden zu kämpfen haben.
Womit wir auch schon beim nächsten Gig wären, nämlich dem HDO In Brandenburg an der Havel, wo ich am Samstag war. Das ist natürlich eine alteingesessene Institution, in der ich schon diverse Male war, aber auch die hatte dieses Jahr Probleme, weil nun eine AFD im Stadtrat sitzt und die Finanzierung stoppen wollte – weil es angeblich zu links sei, was natürlich Quatsch ist, weil Vielfalt im Programm ja nun nicht mit links gleichzusetzen ist. Umso mehr hat es mich daher gefreut dabei zu sein!
Fazit: Supported eure lokale Szene und wenn da nichts ist, dann macht halt was, es lohnt sich! Ich hatte zwei wundervolle Nächte mit besten Kollegen in Orten wo man es nicht vermuten würde und anstatt dem routinierten Zynismus gab es Freude, Enthusiasmus und eine unbeschwerte Feierei ohne Gemecker über Kleinigkeiten.
📷 Christian Strehlow
On The Road With Tanith: Seoul @ Contra und Berlin Classic Night @ Osthafen vom 6.11 bis 9.11.2019
Letzte Woche gab es ein kleines Marathon, am Mittwoch flog ich los nach Seoul, wo ich ja vor 9 Jahren schonmal war, um am Samstag zurück zu fliegen, damit ich abends noch auf der Berlin Classic Night im Osthafen dabei sein konnte. Was fast noch schief ging, weil mich die Lufthansa wegen Überbuchung auf die Warteliste packte. Am Ende, also auf den letzten Metern und wortwörtlich in letzter Sekunde wurde dann noch alles gut. Nach fast 24 Stunden wach mit über 15 Stunden Flug konnte ich mal Klassiker aus den Nuller Jahren droppen, kommt man ja auch nicht so häufig dazu, weswegen ich mich entschieden habe, dieses Set hier dazu zu nehmen:
Video & Mix- Double Impact + Roentgen Limiter
Wir haben ja desöfteren schon Gäste bei Double Impact gehabt, diesmal war es Roentgen Limiter, der mir besonderes am Herz lag, seit ich seine Produktionen seit ca. 2 Jahren begeistert verfolge und ich lag nicht falsch. Der Jungspund legte richtig einen vor! Schön zu sehen das dieser Technogeist auch heute noch so lebendig ist, ick meine, der könnte mit seinen 29 auch mein Sohn sein. Aber auch sonst ist dieser Techno mittlerweile ja sowas von generationsübergreifend, das sogar Eltern mit ihren, mittlerweile erwachsenen, Kindern bei Double Impact tanzen.
Ich kam an diesem Tag gerade erst aus dem Mallorcaurlaub zurück, natürlich mit Hindernissen, wie das bei Rückflügen bei mir ja schon fast sowas wie Tradition hat und war am Ende über 26 Stunden wach, mußte dann die erste Stunde auch noch ohne Kopfhörer auflegen und es würde mich nun interessieren, ob das überhaupt jemand hört.Erklärung folgt im Video :D, ein Hoch auf den Syncbutton und meine Vorbereitung, so das ich die Tracks quasi auswendig kenne und schon an der Hüllkurve weiß wo ich rein und raus kann.
Nun denn, hier mein 3 stündiges Set:
On The Road With Tanith: Tekknozid 28.09.2019
On The Road With Tanith: Dangerous Drums @ Zug Der Liebe 2019
On The Road With Tanith: Simsalaboom 2019
On The Road With Tanith: Hexenwerk und Muuhnlight Festival 2019
On The Road With Tanith: Hokus Pokus auf dem Zauberberg Festival & Suicide Club Geburtstag 2019
ach, eigentlich wollte ich noch bisschen editieren, Intro und Outro machen, aber da Ick ab morgen paar Tage an die Ostsee fahre gibts das jetzt einfach so bevor es komplett Schnee von gestern ist. Mein vorletztes Wochenende mit Open Air Saison Start und Suicide Geburtstag
Tourtagebuch: 23.03.2019 Dresden, Sandsteinhöhlen -ElectroZid – 30 Jahre Techno Spezial oder der Tod meines Autos, inklusive ganzes Set in Ton und Bild
Ok, das ist wahrlich mal ein Grund das alte Tourtagebuch wiederauferstehen zu lassen. Ich war gebucht um für 30 Jahre Techno im Zuge der Electrozid in einer alten Höhle bei Dresden aufzulegen. So bis 300 km fahre ich meist alles selbst mit Auto, so auch diesmal. Morgens noch mit Sohnemann auf der #Artikel13 Demo, stieg ich also gegen 22:00, um genug Puffer zu haben, in meinen ollen Nissan X-Trail, tankte voll, holte mir noch einen Kaffee für die Fahrt und ab geht er. Dachte ich. So nach ca. 50 Kilometern bemerkte ich das die rote Öllampe ab und an mal aufflackerte. Also nochmal Tanke ansteuern und Öl nachkippen, was mich schon ein wenig stutzig machte, weil das ja erst gewechselt wurde und die Karre nicht wirklich ein Ölschlucker ist.
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